Ein anderer Weg, die Geschichte des muslimischen Spaniens chronologisch zu entdecken – anhand von 12 bekannten und weniger bekannten Serien und Filmen, die auf unterschiedliche Weise bedeutende Ereignisse unseres andalusischen Erbes dargestellt haben.
1.”FATH AL – ANDALUS” (2022)
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Telenovela in 30 Folgen unter der Regie von Mohammed Sami el Anzi und mit einem Drehbuch von Mohammed el-Yasari. Es handelt sich um eine jordanisch-syrisch-kuwaitische Koproduktion, die in Jordanien gedreht wurde und anlässlich des Ramadan 2022 in mehreren Ländern der arabischen Welt ausgestrahlt wurde.
Die Handlung erzählt das Ende des Westgotenreichs und die Eroberung der Iberischen Halbinsel durch die umayyadischen Truppen unter Ziyad ibn Tāriq und Mūsà, dargestellt in Szenen, die sich zwischen Damaskus, Tanger, Ceuta und Toledo abwechseln und schließlich in der Invasion Hispaniens und der Schlacht am Guadalete (Juli 711) gipfeln.
In Marokko jedoch sorgte die Ausstrahlung der Serie für große Kontroversen. Es wurde sogar versucht, sie gerichtlich zu verbieten, da laut einigen kulturellen und bildungspolitischen Kreisen des Landes die dargestellten Ereignisse nicht der historischen Wahrheit entsprächen: die wichtige Rolle der Berber (Amazigh) werde zugunsten des ursprünglichen arabischen Elements minimiert oder gar negiert. (1)
Abgesehen von den Kontroversen ist die Serie voller Anachronismen – sowohl in der historischen Ausstattung (z. B. Rokoko-Möbel in Palästen oder die digitale Rekonstruktion des westgotischen Toledo mit modernen Elementen) als auch in der Darstellung der Konfliktparteien, insbesondere bei den militärischen Uniformen: Diese sind bei den Muslimen deutlich späteren Epochen entlehnt, ebenso bei den Westgoten, deren Darstellung eher an Kreuzritter des 12. Jahrhunderts erinnert als an Soldaten der Frühmittelalterzeit. Im beigefügten Bild oben sieht man die Hauptfiguren beider Seiten – ein erster Eindruck der Charaktere und ihrer visuellen Umsetzung.
Die Serie wurde auf Hocharabisch (fushā) gedreht, und das Drehbuch basiert auf der arabischen Version der Legende um Graf Don Julián. Dieser wird als weiser, friedliebender Adliger aus Ceuta dargestellt, offen für den interreligiösen Dialog, wenn auch opportunistisch. König Don Rodrigo hingegen wird zum klassischen Schurken: ein sadistischer, düsterer Herrscher, Unterdrücker des Volkes – eine Figur, die die muslimische Invasion der westgotischen Hispania rechtfertigen soll.
Demgegenüber werden Tāriq, Mūsà und andere islamische Nebenfiguren als fromme Gläubige dargestellt, als Vorbilder an Barmherzigkeit, Gnade und Gerechtigkeit – im klaren Gegensatz zum tyrannischen Don Rodrigo und seinem repressiven Reich. Die Serie vermittelt damit die Botschaft, dass es bei der muslimischen Invasion nicht um Eroberung, sondern um die Befreiung eines unterdrückten Reiches ging.
Trotz zahlreicher Kontroversen, Anachronismen und Klischees erwähnen wir diese Serie, weil sie versucht, ein so komplexes Thema wie das Ende des Westgotenreichs und die muslimische Eroberung Hispaniens ins Fernsehen zu bringen. Allerdings handelt es sich dabei eher um ein unterhaltsames, moralisch-islamisch geprägtes TV-Produkt für die Ramadanabende als um eine historische Serie im westlichen Sinne.
2. “AL-ANDALUS: EL CAMINO DEL SOL” (1989)
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Abbildung 1. Quelle: Pinterest
Mit „Al-Andalus: el camino del sol“, gedreht 1988 und im Folgejahr veröffentlicht, begeben wir uns nun in die Zeit des von Damaskus abhängigen Emirats. Chronologisch sind seit der Eroberung Al-Andalus’ mehrere Jahrzehnte vergangen.
Dieser Film von Jaime de Oriol und Antonio Tarruella erzählt die Ankunft von ʿAbd al-Rahmān I. auf der Iberischen Halbinsel – des einzigen Umayyaden-Prinzen, der das Massaker an seiner Familie durch die Abbasiden in Damaskus überlebt hatte – und wie er in Córdoba einen neuen Staat gründete.
Ganz im Geiste des idealisierten Al-Andalus, das in den 1980er Jahren von offiziellen Stellen gefördert wurde, präsentierte man den Film mit dem Slogan „drei Kulturen, ein Land“. Trotz hervorragender Kameraführung, internationaler Besetzung und sorgfältiger Inszenierung konnte der Film weder in Spanien noch im Ausland den erhofften Erfolg erzielen. Dennoch gilt er als erster Versuch, sich dem Thema Al-Andalus mit mehr wissenschaftlicher Genauigkeit, solider Dokumentation und historischer Sorgfalt zu nähern.
3. “DANIYA, EL JARDÍN DEL HAREM” (1988)
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Daniya, el jardí de l'harem. Carles Mira - YouTube
Regie: Carles Mira. Erzählt wird die Geschichte eines jungen Christen, Bruder der Gräfin von Barcelona, der sich in das muslimische Taifa-Reich von Denia begibt, um dort die Gemeinde der Mozaraber zu leiten und diplomatische Beziehungen aufzubauen. Nach und nach integriert er sich in das Alltagsleben dieses muslimischen Königreichs, bis er vollständig mit dessen Kultur verschmilzt.
Gedreht wurde in Spanien, Frankreich und Marokko – eine internationale Koproduktion mit Schauspieler:innen aus allen drei Ländern.
Wie „Al-Andalus: el camino del sol“ entstand auch dieser Film in den 1980er Jahren und vermittelt ebenfalls das Bild eines idealisierten Al-Andalus der „drei Kulturen“, wie es von kulturellen und politischen Institutionen jener Zeit propagiert wurde.
Die filmische Inszenierung betont visuell – durch Farben, Licht und Ästhetik – den Kontrast zwischen der mittelalterlichen, düsteren und unterdrückenden westlichen Welt und der blühenden, freien Welt der Taifa Denia, die für die christlichen Protagonisten aus Katalonien wie ein Freiheitsparadies erscheint. Doch dieser Idealismus wird im Laufe der Handlung gebrochen, als die Situation der andalusischen Frauenfiguren deutlich wird: Sie leben in Sklaverei, sind zum Dasein als Haremsmädchen und Tänzerinnen verurteilt und dürfen nur dann lieben, wenn es dem Emir oder dessen Adel gefällt – eingesperrt in goldene Käfige der Paläste.
Der Film wurde unter der historischen Beratung des Arabisten und Professors Mikel de Epalza realisiert. Er hatte das Verdienst, erstmals in einem mittelalterlich-andalusischen Spielfilm die Kultur und Gesellschaft der Mozaraber einem breiten Publikum vorzustellen. In Bezug auf Kostüme und Ästhetik enthält der Film jedoch auch einige anachronistische Elemente sowie maghrebinische Einflüsse – teilweise sogar zeitgenössische Anspielungen wie jene auf die valencianische Fallas-Ästhetik in den Tanz- und Musiksequenzen, die Regisseur Carles Mira, selbst gebürtiger Valencianer, besonders liebte.
4.“EL CID” (1961)
Zweifellos ist „EL CID“ einer der klassischsten und bedeutendsten Mittelalterfilme, die je in Spanien gedreht wurden.
Es handelt sich um eine italo-amerikanische Koproduktion unter der Regie von Anthony Mann mit Sophia Loren und Charlton Heston in den Hauptrollen.
Obwohl sich die Handlung auf das Leben und die Taten von Rodrigo Díaz de Vivar konzentriert, nehmen wir den Film in unsere Liste auf, weil die andalusische und almoravidische Welt darin eine wichtige Rolle spielt.
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Der Film weist in Bezug auf Kostüme, Charakterdarstellung und historisches Schauspiel zahlreiche Anachronismen auf (das Werfen eines Handschuhs als Herausforderung, Waffen, Helme usw.). Ästhetisch folgt er der historistischen Mentalität der damaligen Zeit, in der Epochen und Stile gemischt wurden. So sind bei den andalusischen Figuren etwa glänzende und bunte Gewänder zu sehen, im Stile Hollywoods, aber auch typisch für die spanischen Feste „Moros y Cristianos“, was stark kontrastiert mit der Strenge der Almoraviden-Darstellung in Gestalt von Ben Yusuf und seinen Truppen, die in naturfarbenen Stoffen mit Schwarz als ikonischer Farbe des Bösewichts auftreten.
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Trotz dieser historischen Freiheiten enthält der Film unserer Meinung nach auf inhaltlicher Ebene einige sehr gelungene Szenen, um einem breiten Publikum die Zeit der Reconquista und ihre unterschiedlichen Akteure näherzubringen.
Kurios ist zudem, dass Don Ramón Menéndez Pidal, Autor des bis heute maßgeblichen Werks La España del Cid, als historischer Berater am Film mitwirkte und der junge Félix Rodríguez de la Fuente als Falkner Teil des Teams war.
5.“EL CID: DIE SERIE” (2020-2021)
El Cid – Offizieller Trailer | Amazon Prime Video – YouTube
Produziert für Amazon Prime von Zebra Producciones, wurde diese Serie kürzlich in Spanien gedreht und konzentriert sich auf das Leben des Cid Campeador. Parallel zu den Ereignissen in Kastilien und León werden auch jene in den Taifa-Königreichen des 11. Jahrhunderts dargestellt. Die Serie umfasst zwei Staffeln, eine dritte war im Gespräch.
Die Darstellung der andalusischen Charaktere ist sowohl inhaltlich als auch sprachlich sehr gelungen: Dialoge auf klassischem Arabisch (fushà) wirken authentisch, wenn die Figuren untereinander sprechen. Auch Kleidung und manche Waffen sind historisch stimmig – anders hingegen die digitale Rekonstruktion von Städten wie Saraqusta (Saragossa) oder Balansiya (Valencia), die vom Cid erobert werden. Hier wurden teils Bauwerke anderer Epochen oder sogar nicht-andalusische Orte wie Kairo oder Istanbul verwendet.
Die andalusischen Szenen wurden unter anderem in Toledo und im Palast der Aljafería (aus der Taifa-Zeit) gedreht.
6. “EL FINAL DEL CAMINO” (2017)
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El final del camino - Serie de aventuras en RTVE Play
Spanische Miniserie in 6 Episoden, koproduziert von Voz Audiovisual, TVE und TVG.
Sie spielt im Nordwesten der Iberischen Halbinsel an der Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert und erzählt die Geschichte des Baus der Kathedrale von Santiago de Compostela anhand der Erlebnisse dreier Brüder aus dieser galicischen Stadt: Gonzalo, Esteban und Pedro de Catoira.
Neben fiktiven Figuren begegnen wir auch historischen Persönlichkeiten wie Constanza de Begoña, Bischof Diego Gelmírez, Doña Urraca von León oder Raimundo von Burgund.
Die Serie zeigt Aspekte des Alltags-, Religions- und Militärlebens dieser Zeit, allerdings nicht ohne gewisse historische Freiheiten, Klischees und Stereotype – insbesondere bei der Darstellung muslimischer Figuren: Einige, wie Al-Muʿtamid, der Taifa-König von Sevilla, dienen als Gegengewicht zur christlichen Handlung, andere wie der almohadische Emir Yūsuf ibn Tāshufīn und sein Berater Nadir werden als Feinde gezeichnet, die das „korrupte“ Taifa-Andalus bekämpfen und christliche Orte wie die Kathedrale von Santiago zerstören wollen.
Es gibt auch „grenzüberschreitende“ Figuren wie Pedro, der von den Almoraviden entführt und zu Abdel Rashiq wird, oder Zayda, Tochter Al-Muʿtamids, die in den Dienst Alfons VI. tritt und seine Geliebte wird – sowie alltäglichere Figuren wie Naima, eine Prostituierte, deren Beruf mit den islamischen Vorstellungen von weiblicher Ehre im Widerspruch steht.
Gedreht an historischen Schauplätzen Galiciens, überzeugt die Serie durch authentische Kulissen und schöne Kamerabilder. Positiv hervorzuheben sind auch das Drehbuch, die Darstellung der drei Kulturen in ihren sozialen Rollen, der Einsatz des Arabischen sowie Details wie der islamische Schleier.
Allerdings weist die Serie Schwächen in der historischen Korrektheit von Kostümen und Waffen auf: Manche Rüstungen sind anachronistisch, wie z. B. die gebogene Krummsäbel (Scimitarre), oder überzeichnet, wie das schwarze Gewand des Emirs Yūsuf – eine direkte Anlehnung an den gleichnamigen Charakter im Film El Cid (1961).
7. “AL-MASIR – EL DESTINO” (1997)
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Französisch-ägyptischer Film von Youssef Chahine über Leben und Werk von Averroes (Ibn Ruschd).
Der Film spielt im Córdoba des 12. Jahrhunderts unter der Herrschaft der Almohaden. Zu Beginn sehen wir Averroes als Richter der Stadt und als Autor mehrerer philosophischer Werke mit greco-romanischem Einfluss. Ihm gegenüber steht der fundamentalistische Sheikh Ryad, der die Verbrennung seiner Bücher anordnet.
Mit diesem Werk will Chahine die Spannung zwischen religiösem Dogmatismus und freiem Denken aufzeigen – nicht nur unter Muslimen, sondern, wie zu Beginn im christlichen Frankreich, auch in anderen Religionen.
Ein empfehlenswerter Film, da er einer der wenigen aus der arabischen Welt ist, der sich bewusst von idealisierenden Klischees über Al-Andalus abwendet – sei es als utopischer Ort interreligiösen Zusammenlebens oder als nostalgisch verklärtes, verlorenes Paradies des Islam. Es handelt sich um ein echtes historisches Drama mit sorgfältig recherchiertem Inhalt, allerdings mit ästhetischen und geografischen Elementen, die eher ägyptisch als andalusisch sind.
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Obwohl historisch solide, enthält der Film Anachronismen und geografisch-kulturelle Verzerrungen, um das Werk dem arabischen Publikum näherzubringen: So tritt etwa die Zigeunerin Manuela auf – obwohl die Roma erst im 15. Jahrhundert auf die Iberische Halbinsel kamen. Auch musikalische Einlagen[2] oder Dekorationen, Kostüme und Architektur sind eher ägyptisch als andalusisch und weichen damit von der Zeit und dem Ort ab.
8. “TOLEDO, CRUCE DE DESTINOS” (2012)
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Rodrigo mata a Abu Bark (antena3.com)
Komplette Serie: SERIES | Toledo | Web oficial de la serie española Toledo, cruce de destinos de Antena 3 Televisión
Die Serie spielt im Toledo des 13. Jahrhunderts zur Zeit Alfons X. des Weisen. Sie zeigt den Alltag an der Übersetzerschule von Toledo und die höfischen Intrigen am kastilischen Königshof – eine Mischung aus realer und fiktionaler Geschichte. Auf der einen Seite steht der Machtkampf zwischen Fernando de la Cerda und Sancho (dem späteren Sancho IV.), auf der anderen die christlich-muslimische Welt: verkörpert durch den Almohaden-Krieger Abu Bakr, der in kastilisches Gebiet eindringt, sowie durch (fiktionalisierte) Mudéjares wie Taliq al-Jayzim und seine Tochter Fátima.
Die Übersetzerschule erscheint zunächst als Ort idealer Harmonie zwischen den drei Kulturen (Muslime, Juden und Christen), doch bald zeigt sich, dass es sich eher um eine pragmatische Koexistenz handelt als um echtes Zusammenleben. Im Laufe der Handlung verschwindet das Mudéjar-Toledo zunehmend – sogar die Moschee wird geschlossen, was das Ende der muslimischen Präsenz symbolisiert.
Die fiktionale Romanze zeigt sich in der (platonischen) Beziehung zwischen Martín und Fátima, die nach den damaligen Gesetzen unmöglich war: muslimische Frauen wie Fátima unterlagen den strengen Vorschriften der Mudéjar-Gemeinschaft, und es herrschte eine soziale sowie gesetzliche Trennung der Religionen im mittelalterlichen Kastilien.
Die Ausstattung (Gebäude, Möbel, Manuskripte) ist weitgehend korrekt. Anders jedoch das muslimische Kostüm, das auf idealisierte Filmvorbilder zurückgreift. Hinzu kommen historische Freiheiten wie das Auftreten Fátimas ohne Hidschāb (Schleier), was für volljährige muslimische Frauen verpflichtend wäre, sowie voreheliche Küsse und Umarmungen – dazu noch mit der Tochter eines religiösen Gelehrten. Auch sprachlich gibt es Fehler bei arabischen Namen und Begriffen, etwa in der Schahāda oder der falschen Transkription „Abu Bark“ statt „Abu Bakr“.
9. “LOS PALADINES” (1972)
Los Paladines: Capítulo 1 | RTVE Play
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Fernsehserie von TVE, koproduziert mit dem deutschen Sender ZDF im Jahr 1972. Sie erzählt die Abenteuer dreier Figuren: Omar, ein nasridischer Adliger, der Sohn eines christlichen Grundherrn namens Don Diego und ein Bauer namens Nuño. Sie leben an der Grenze zwischen dem Nasridenreich und Kastilien im 15. Jahrhundert und erleben in 13 Episoden zahlreiche Abenteuer voller Exotik, Magie und einer idealisierten muslimischen Welt – in diesem Fall des Königreichs Granada.
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Die Serie vereint bekannte Motive aus der alten Romanzerzählung, mittelalterlichen Chroniken und Die Geschichten der Alhambra von Washington Irving.
In Bezug auf Ausstattung und Darstellung der muslimischen Figuren ist deutlich die historistische Ästhetik zu erkennen, wie sie in älteren Filmen wie El Cid oder in zeitgenössischeren Darstellungen wie den Festspielen der „Moros y Cristianos“ vorherrscht.
10. “REQUIEM POR GRANADA” (1991)
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Historische Serie unter der Regie von Vicente Escrivá, die Kindheit, Jugend und Erwachsenenleben von Boabdil, dem letzten König von Granada, nachzeichnet – basierend auf dem Roman El manuscrito carmesí von Antonio Gala.
Es handelt sich um eine spanisch-italienische Koproduktion zwischen TVE und dem italienischen Sender RAI, gedreht an hispano-muslimischen Monumenten zwischen Córdoba und Granada.
Zweifellos ist dies die beste in Spanien produzierte Serie über die Geschichte von Al-Andalus. Sie besticht durch ihre Nähe zur Figur Boabdils und einem gewissen historischen Anspruch in der Darstellung der letzten Jahre des Nasridenreichs.
Die Handlung zeigt den Zusammenprall zweier Kulturen und Religionen, wobei der nasridische Islam langsam zwischen dynastischen Machtkämpfen und romantischen Verstrickungen (Soraya und Mulhacén) zerfällt.
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Historisch gesehen gehört die Serie zu den gelungensten Rekonstruktionen der Nasridenzeit. Trotz mancher künstlerischer Freiheiten und Anachronismen (z. B. eine Bauchtänzerin im modernen ägyptischen Stil) ist der Einfluss des Instituto Hispano-Árabe de Cultura bei Gebetszenen und historischer Genauigkeit klar spürbar.
11. “ISABEL” (2011-2014)
Isabel : Isabel - La muerte de Muley Hacén y el nacimiento de la infanta Catalina | RTVE Play
Zwischen 2011 und 2014 von Diagonal TV für TVE produziert, unter der Regie von Jordi Frades.
Diese Produktion über das Leben von Isabella der Katholischen verdient einen Platz in unserem „Top Ten“, da die Endphase des Nasridenreichs und der Granada-Krieg (zweite Staffel), die erste Alpujarras-Revolte und das Ende des Mudejarentums in Kastilien und Granada (dritte Staffel) einen bedeutenden Teil der Handlung ausmachen.
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Moderne Nachstellung in der Serie Isabel, basierend auf dem berühmten Gemälde von Francisco Pradilla über die Kapitulation von Granada.
Bildquelle: Gemälde über die Kapitulation von Granada in der Serie Isabel | lab.RTVE.es
Die zweite Staffel widmet sich besonders intensiv den hispano-muslimischen Figuren. Parallel zu den Jahren aus Isabellas Leben (1480–1492) sehen wir die Palastintrigen, die zum Fall Granadas beitrugen – zwischen Muley Hacén, El Zagal und Boabdil auf der einen und Ayxa und Soraya auf der anderen Seite.
Die nasridische Ausstattung folgt einem orientalistisch geprägten Stil mit Freiheiten im Drehbuch, etwa im Fall des Anschlags des „Heiligen Mauren“ während der Belagerung Málagas (1487), der durch einen christlichen Verräter ersetzt wurde. Positiv hervorzuheben sind die korrekte Darstellung islamischer Gebetsrituale, der Einsatz von Originalarabisch (z. B. bei Muley Hacéns Beerdigung in der Sierra Nevada) und die detailreiche Rekonstruktion von Dokumenten, Stoffen und nasridischer Architektur.
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Obwohl viele Innenaufnahmen aus Budgetgründen in Studios bei Madrid entstanden, wurde auch an historischen Naturorten wie der Sierra Nevada und sogar im Palast der Alhambra selbst gedreht – zum ersten Mal seit Jahrzehnten.
Das TVE-Team zählte drei historische Berater: Luis Sorando López und Teresa Cunillera für den christlichen Bereich sowie die Historikerin, Arabistin und Autorin dieses Artikels, Mabel Villagra, für den muslimischen.
12. “EXPULSADOS. 1609: LA TRAGEDIA DE LOS MORISCOS” (2009)
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FILMLINK:
Expulsados 1609, La Tragedia de los Moriscos_المطرودون: 1609، مأساة الموريسكيين on Vimeo
Zum Abschluss unseres „Top Ten“ reisen wir ins Spanien des 17. Jahrhunderts, speziell in die Welt der Morisken – Nachkommen der andalusischen Muslime, die im 16. Jahrhundert zum Christentum konvertiert waren, aber weiterhin als religiöse und soziale Minderheit lebten. Von den Altchristen zunehmend diskriminiert und unter Verdacht, mit Osmanen und Berbern zu sympathisieren, standen sie unter ständiger Beobachtung.
„Expulsados. 1609“ erzählt das alltägliche Leben der Morisken in einem aragonesischen Dorf anhand eines aljamiado-Manuskripts (Spanisch in arabischer Schrift), das während der Vertreibung von 1609 in der Wand eines Hauses versteckt wurde. Darin schildert das Familienoberhaupt die Ereignisse, die seine Familie betrafen, ihre Hoffnungen und Ängste in den Tagen vor der Ausweisung.
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Der Film wurde von Miguel E. López Lorca inszeniert und von Casa Árabe in Koproduktion mit Sagrera TV und dem galicischen Fernsehsender TVG realisiert, mit Drehorten in Spanien und Tunesien.
Unterstützt wurde die Produktion von Expert:innen aus Spanien und dem Maghreb, die bei der Rekonstruktion des Alltags, der Kleidung, Bräuche und Architektur von Morisken und Christen mitwirkten.
EMPFOHLENE BIBLIOGRAFIE Y WEBIOGRAFIE
ALONSO, Jorge, ALONSO, Juan José y MASTACHE, Enrique A (2022). La Edad Media en el cine. T & B EDITORES. Madrid.
BARRIO BARRIO, J.A. (2005). LA EDAD MEDIA EN EL CINE DEL SIGLO XX. Medievalismo, (15).
LOSADA, Miguel y MATELLANO, Victor (2022). EL CID (Edición 50º Aniversario), T & B EDITORES. Madrid
NOELIUS (2013). “La Historia de España a través de su ficción”. Enlace: La historia de España a través de su ficción (I) (espinof.com)
RODRIGUEZ GARCIA, José Manuel (2004). “Cartón piedra y ruido de espadas. La Historia Medieval y el Cine Español” en Historia 16, 337: pp. 99-107
[1] Vgl. Árabes contra bereberes, la polémica serie sobre la conquista de al-Ándalus (20minutos.es) [Consultado el 22/02/2023]
[2] Ein Stilmittel, das wir außerdem im arabischen Kino und im indischen Bollywood-Film beobachten können, wo sich Action, Drama, Humor und Musical zu einem genreübergreifenden Potpourri vermischen, um diese Produktionen für das orientalische Publikum ansprechender zu gestalten.
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