Wir reiten weiter in Begleitung der französischen kaiserlichen Kavallerie und begeben uns diesmal direkt aufs Schlachtfeld, um die Linienreiter kennenzulernen. Weit weg führen uns unsere Erkundungen nicht, wir befinden uns mitten im Getümmel, wo der Nahkampf über Sieg oder Niederlage entscheidet.
DIE MITTLERE ODER LINIENKAVALLERIE
Zwischen den leichten und schweren Einheiten angesiedelt – im wahrsten Sinne des Wortes hoch zu Ross – befanden sich die Dragoner und die Ulanen (über letztere gibt es eine breite Debatte hinsichtlich ihrer Einordnung als leichte Truppe). Aufgrund ihrer Bewaffnung im Nahkampf sowie mit Feuerwaffen konnten sie sowohl Überwachungs- und Sicherungsaufgaben übernehmen als auch das Gelände sichern, um den ungestörten Vormarsch des Hauptheeres zu ermöglichen.
Die Dragoner, mit ihren grünen Uniformröcken und dem charakteristischen Helm mit schwarzem Schweif, stellten bis 1811 die zahlreichste Truppengattung der französischen Kavallerie dar. In jenem Jahr beschloss Napoleon, die Lanze einzuführen, und wandelte sechs Regimenter in Chevau-légers Lanciers – also in Ulanen – um. Ursprünglich waren diese Einheiten dafür ausgebildet, sowohl zu Pferd als auch zu Fuß zu kämpfen. Mit der Zeit jedoch wurde diese Doppelfunktion in Frankreich aufgegeben. Tatsächlich wurden im Jahr 1805 etwa 6.000 Dragoner abgesessen (sie tauschten ihre Reitstiefel gegen Gamaschen), um vier Infanterieregimenter zu bilden – ein Vorhaben, das völlig scheiterte, da sie nicht wussten, wie man zu Fuß kämpft.
Als Hauptfeuerwaffe führten sie ein verkürztes Gewehr Modell 1777 mit Bajonett, das eher für den Einsatz als Infanterist denn als Reiter konzipiert war, sowie zwei Kavalleriepistolen als Sekundärwaffen. Der verwendete Säbel war das gerade Modell, wie es auch die Kürassiere nutzten, da sie für Angriffe in geschlossener Formation ausgebildet waren. Ihre Kleidung bestand aus einem grünen Uniformrock mit weißen Hosen und einem Metallhelm mit Rossschweif und einem braunen Pelzturban, der bei Offizieren aus Leopardenfell bestand.

Gemälde von Édouard Detaille, Dragoner des 2. Regiments
Eine der bedeutendsten Neuerungen, die Napoleon in die Kavallerie einführte, war die Wiedereinführung der Lanze in die französische Armee. Anlass dafür war der erfolgreiche Einsatz dieser Waffe durch die Ulanen der Weichsellégion in der Schlacht bei Wagram. Die 2,75 Meter lange Lanze bot einen deutlichen Vorteil gegenüber der feindlichen Infanterie, die am Boden leicht niederstoßen werden konnte, aber auch im Kampf gegen andere Reiter – solange der Gegner die „Lanze nicht herumriss“, also nicht in Säbelreichweite kam. Interessant ist dabei, dass in den französischen Ulanenregimentern – beeinflusst von der polnischen Tradition und entgegen dem Bild vieler Filme – nur die erste Reihe mit Lanzen und Säbeln bewaffnet war; die übrigen Soldaten trugen Karabiner und Säbel während der Angriffe.
Die französischen Ulanen trugen grüne Uniformen und denselben Helm wie die Dragoner, da sie ursprünglich dieser Truppengattung angehörten. Statt eines Rossschweifs war ihr Helm jedoch mit einer schwarzen Schweifquaste geschmückt.
DI SCHWERE KAVALLERIE
Es handelte sich um die Schlachtkavallerie, deren Aufgabe es war, mit einem Frontalangriff in geschlossener Formation die feindliche Linie zu durchbrechen. Die großen Pferde und die beachtliche Körpergröße der Reiter (mindestens 1,75 Meter), die wie eine Mauer – Pferd an Pferd – auf die bereits durch Artilleriefeuer geschwächte feindliche Infanterie vorrückten, mussten ein zugleich furchterregender und majestätischer Anblick gewesen sein.
Diese Rolle im französischen Heer übernahmen die Kürassiere und die Karabiniers, wobei letztere als die Elite der schweren Linienkavallerie galten. Beide Einheiten führten gerade Säbel, die sich ideal für den Sturmangriff eigneten, jedoch in unterschiedlicher Ausführung: Die Kürassiere benutzten einen Säbel mit Muschelstichschutz aus vier Streben und einer Länge von etwa 97,5 cm, während die Karabiniers einen längeren Säbel von 115 cm trugen, dessen Griff mit einer eingestanzten Granate verziert war. Im Jahr 1810 ersetzten die Karabiniers ihre geraden Säbel durch gebogene Montmorency-Säbel (wie sie vom 2. Dragonerregiment verwendet wurden) mit einer Länge von 97,5 cm.
Außerdem trugen sie ein oder zwei Pistolen im Sattelbogen und – im Fall der Kürassiere – eine Muskete mit Bajonett. Die Karabiniers hingegen, trotz ihres Namens, waren zunächst mit verkürzten Dragonergewehren ausgestattet, bis sie 1812 schließlich Karabiner erhielten.
Die Kürassiere verdanken ihren Namen der Kürass, die den Oberkörper schützte und im 18. Jahrhundert in Europa weitgehend aus dem Gebrauch geraten war. Sie bestand aus zwei Teilen – einem Brust- und einem Rückenteil – im Gegensatz zur österreichischen Variante, die nur den Vorderkörper bedeckte. Die Kürasse war aus geschmiedetem Eisen gefertigt, etwa 2,8 Millimeter dick und wog rund sieben Kilogramm. Im Jahr 1804 wurde der Dreispitzhut durch einen Stahlhelm ersetzt, der dem der Dragoner ähnelte: mit einem Kamm aus Kupfer, verziert mit einem Medusenkopf, in den ein Rossschweif und ein roter Federbusch eingefügt waren. Die blauen Uniformröcke waren typisch für diese Waffengattung – im Gegensatz zu den Karabinieren, die ab 1809 weiße Röcke trugen.

S. Latin. Karabiniers mit Kürass. Ein Offizier schützt einen gefallenen Soldaten.
Ursprünglich trugen die Karabiniers eine völlig andere Uniform als die Kürassiere: große Bärenfellmützen, ähnlich denen der Grenadiere der Konsulargarde, allerdings mit blauen Uniformröcken. Ihr auffälligstes Unterscheidungsmerkmal war jedoch, dass sie bis 1813 ausschließlich auf schwarzen Pferden ritten, die in der Region Caen gekauft wurden, wo besonders große und hochwertige Pferde gezüchtet wurden. Aufgrund der hohen Verluste dieser Einheiten in der Schlacht bei Eckmühl am 22. April 1809 entschied Napoleon, ihnen einen besseren Schutz zu gewähren. Dafür ließ er eine eigene Uniform entwerfen, die sie von den „normalen“ Kürassieren unterschied: Die Uniformröcke waren nun weiß statt blau, und der Kürass wurde mit einer gelblichen Kupferpatina überzogen – ebenso wie der „Minerva“-Helm, der mit einem scharlachroten Rossschweif verziert war.
Bibliographie
- El libro del soldado napoleónico. Miguel del Rey. La Esfera de los libros, 2017.
- Las campañas de Napoleón. Keith Rocco. Desperta Ferro 2017.
- Napoleon´s Cuirassiers and Carabiniers. Emir Bukhari. Osprey Publishing, 1977.
- Napoleon´s Line Chasseurs. Emir Bukhari. Osprey Publishing, 1977.
- Napoleon´s Hussars. Emir Bukhari. Osprey Publishing, 1977.
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